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Punktverlust gegen den Letzten


Warstein – Gegen Tabellenvorletzte kann Handball-Landesliga-Aufsteiger VfS Warstein aktuell nicht gewinnen. Gab es zuletzt beim VfL Kamen ein ernüchterndes 16:30, so langte es auch vor eigenem Publikum trotz der bislang niedrigsten Gegentorzahl nicht zum Sieg, konnte die SGH Unna-Massen als erstes Team in dieser Saison einen Zähler aus der harzfreien Halle entführen. Trotzdem kann der VfS immer noch aus eigener Kraft Gruppenerster werden, beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter DJK SG Bösperde jetzt zwei Punkte.


Handball-Herren-Landesliga 4: VfS Warstein – SGH Unna-Massen 19:19 (11:10).

Vor dem Anwurf gab es eine Huldigung durch den Vorsitzenden Ulrich Becker zum Tode von Gründungsmitglieds Heinz Kösters. Die folgende Schweigeminute setzte der Großteil der Warsteiner Zuschauer sehr zum Leidwesen des Hallensprechers Matthias Sellmann („Wer jetzt nicht mitmacht, kommt nach der Pause nicht mehr rein“) fort, echte Stimmung wollte einfach nicht aufkommen.

Das lag aber auch am Spiel selbst. Es war schon die vierte Minute angebrochen, als der Gast den Torreigen eröffnete. Die diesmal von Co-Trainer Tobias Nagel in Vertretung des privat verhinderten Zoran Kaseric gecoachten Warsteiner hatten erhebliche Mühe, Lücken in der defensiven, aber kampfstarken SGH-Abwehr zu finden.

Die Idee, Florian Hoeck freizuspielen, war aufgrund dessen bisheriger Treffsicherheit nachvollziehbar. Doch der blonde Linksaußen stand ziemlich neben sich, wurde nach dem fünften Fehlwurf (bei zwei Treffern) gegen Stanko Simovic ausgetauscht, der aber auch keine Akzente setzen konnte.

Dafür lief es für Rechtsaußen Simon Kraus umso besser. Zwei wichtige Ballgewinne und drei Tore standen am Ende auf seinem Habenkonto – damit war er tatsächlich der effektivste Angreifer, denn das scharf bewachte Torjäger-Duo Lars Schmidt/Philip Schröder leistete sich reichlich Fehlwürfe. Es musste aber immer wieder den Abschluss suchen, weil dem gesundheitlich angeschlagenen Mittelmann Joel Krischer jegliche Dynamik und Präzision beim Torwurf abging, er sich deshalb weitgehend auf die Rolle des Ballverteilers beschränkte.

Defensiv arbeitete der VfS solide, aber die Hoffnung auf Unnaer Aufbaupatzer und dadurch etliche einfache Gegenstoßtore sollte sich nicht erfüllen. Nur zum 9:9 durch Kraus gelang ein Steilpass von Keeper Hendrik Hilwerling, der in Abschnitt eins ganz im Schatten seines überragenden Gegenübers Kevin Stork stand. Der verbuchte nämlich elf Paraden, was einer Quote von 50 Prozent entspricht. Und die konnte der Unner Schlussmann in der dramatischen Schlussphase mit zehn abgewehrten Würfen bei acht Gegentoren sogar noch steigern. 19:19 stand es nämlich schon in der 56. Minute. Und weil auf VfS-Seite der eingewechselte Niklas Schmidt zwei tolle Reflexe lieferte, ergaben sich für die Warsteiner zwei dicke Chancen zur Führung, mit denen aber der am Kreis durchspielende Jonas Schmidt und Krischer an Stork scheiterten.

Trotzdem schien mit dem finalen Konter und wuchtigen Abschluss von Schröder, der ja schon die glückliche Pausenführung fast mit dem Abpfiff erzielt hatte, der Sieg in trockenen Tüchern. Doch der Jubel der endlich munter gewordenen Fans stockte jäh, als die Schiedsrichter ihr Veto einlegten. Nagel hatte nämlich direkt nach dem Ballgewinn die Grüne Karte zur Auszeit auf den Zeitnehmertisch gelegt. Also kein Tor, sondern nur Freiwurf bei sechs Sekunden Restzeit, die wirkungslos verpufften. Danach jubelten die zum zweiten Mal vom Engelhardt-Nachfolger Tobias Brüggemann gecoachten Gäste, als hätten sie gewonnen - nach zuvor erst einem Auswärtserfolg absolut nachvollziehbar. Die Warsteiner hingegen verließen das Parkett mit nachdenklichen Mienen.


Trainerstimmen

VfS-Trainer Tobias Nagel: „Natürlich ist die Enttäuschung groß, dass wir ausgerechnet gegen einen Abstiegskandidaten einen Flecken auf unsere bislang weiße Heimweste bekommen haben. Der Hauptgrund liegt ja beim Blick auf das Ergebnis auf der Hand. Mit nur 19 Gegentoren können wir mehr als zufrieden sein, die defensive Arbeit war ausgezeichnet. Leider haben wir im Angriff den starken Unnaer Keeper zum Helden geschossen. Ich habe die Auszeit sofort nach unserem Ballgewinn gezogen, weil ich mit einem Freiwurfpfiff gerechnet hatte und keine Zeit verstreichen lassen wollte. Dass die Schiris den Konter zulassen, hatte ich zu spät erkannt.“



SGH-Trainer Tobias Brüggemann: „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die sich diesen vielleicht noch wertvollen Punkt mit einer tollen kämpferischen Einstellung verdient hat. Unserem Keeper Stork muss ich ein Sonderlob aussprechen, er hat die gegnerischen Würfe scheinbar magisch angezogen. Es sollte uns Mut für den Rest der Saison geben, dass wir auch ohne Pascal Stennei bei einem Topteam der Liga mithalten können.“



Soester Anzeiger, 13.03.2023, Text: Bernd Grossmann, Bild: Elmira Clewing


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