Erste Herren: Dritte deutliche Niederlage in Folge. JSG RuWa: Heimserie gerissen
Erste Herren: Aufsteiger VfS Warstein verliert 28:36 im Derby bei der SG Ruhrtal

Warstein – Insgeheim hatten die Handballer des VfS 59 Warstein darauf gehofft, dass der Spruch von den eigenen Gesetzen eines Derbys auch auf ihr erstes Punktspiel in diesem Jahrhundert gegen den Lokalrivalen SG Ruhrtal zutrifft. Schließlich reiste der Verbandsliga-Neuling nach zwei deftigen Niederlagen als klarer Außenseiter in die überraschenderweise nicht voll besetzte Oeventroper Ruhrtalhalle. Und auch wenn die Leistung über weite Strecken deutlich besser war als in den vorangegangenen Partien, stand unterm Strich erneut eine recht klare Niederlage, durften sich die Hausherren von ihren Fans nach ihrem 36:28-Erfolg ausgiebig mit dem Sprechchor „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey“ feiern lassen.
Handball-Verbandsliga: SG Ruhrtal – VfS Warstein 36:28 (15:12).
Neben Neuzugang Max Klemm und Tilman Weber musste Ruhrtals Coach Henning Becker kurzfristig auch auf seinen Halbrechten Lukas Struwe verzichten, der sich beim Abschlusstraining einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Zudem war Linksaußen Yannick Mähl gerade erst aus einem Urlaub zurück und kam erst nach der Pause zum Einsatz. Auch war der Halblinke Aaron Humpert, emotionaler Leader des Teams, nur bedingt einsatzfähig. Insofern durften die Warsteiner, die auf Rechtsaußen Simon Kraus, Joel Krischer und Julius Rüther verzichten mussten, auf Waffengleichheit hoffen.
Trainer Zoran Kaseric hatte sich eine besondere Taktik ausgedacht, startete mit einer aggressiven 3-3-Deckungsformation, die keinen geordneten Spielaufbau der Ruhrtaler zuließ. Ein Überraschungseffekt stellte sich allerdings nicht ein. Gleich der erste eigene Pass ging ins Aus und führte zum Kontertor durch Linksaußen Julius Schulte. Quasi jeder Ruhrtaler Angriff führte zum Erfolg. Nach sieben Minuten lag der durchsetzungsstarke Favorit nach einem von Schulte verwerteten Steilangriff schon mit 7:3 vorn.
Die Warsteiner taten sich deutlich schwerer, gegen die kompakte und körperlich überlegene SGR-Abwehr freie Wurfpositionen herauszuspielen. Immerhin gelang es, den Rückstand nicht weiter anwachsen zu lassen, wozu einige Paraden von Keeper Peter Göke und der Latten-Unterkante-Strafwurf von Phillipp Mähl beitrug.

Eigene Torerfolge gelangen nicht nur durch wuchtige Distanzwürfe des glänzend aufgelegten Schröder. Auch die Youngster Jannes Goldbach und Adam Mir konnten sich mit dynamischen Einzelaktionen mehrfach durchsetzen. Zwei Zeitstrafen in der Endphase der ersten Hälfte verhinderten zwar eine Aufholjagd, aber das von Linksaußen Florian Hoeck erzielte 15:12 hellte die Stimmung vor dem Pausengang auf.
Der bis dahin kaum vernehmbare Warsteiner Anhang wurde richtig munter, als Jan Clewing per Konter und Goldbach mit einem Strafwurf auf 15:14 verkürzten. Nach 35 Minuten war die Partie für Rechtsaußen Till Rosenberger nach einem überharten Foul beendet. Jetzt kam ein Hauch von Derbyatmosphäre auf, ging ein Aufschrei durch die Ruhrtalhalle, als Schröder in den Wurfarm von Dorian Pavic gegriffen hatte. Dessen prompte Entschuldigung und die Unversehrtheit des aus Meschede zur SGR zurückgekehrten Rückraumspielers beruhigten die Gemüter, wozu auch die erfahrenen Unparteiischen Garius/Elias (Bergkamen/Oberaden) beitrugen.
Warstein war jetzt ein ebenbürtiger, allerdings nicht kaltschnäuziger Gegner. So scheiterte Goldbach mit einem Siebenmeter an Torwart Henrik Basler, setzte den Nachwurf neben den Kasten. Auch Clewing scheiterte frei vor Basler, der zum großen Rückhalt seiner Mannschaft avancierte. Als Goldbach und Schröder trotzdem auf 22:21 verkürzten und erstmals Warsteiner Schlachtgesänge zu hören waren, zückte SGR-Coach Becker die Grüne Karte, stellte seine Mannschaft neu ein. Und das mit Erfolg, denn Warstein traf zwar durch Mir zum 23:22 und Schröder zum 25:23, kassierte dann aber vier Gegentore in Folge, lag nach 51 Minuten vorentscheidend mit 29:23 hinten.
Die Hausherren spielten jetzt ihre ganze Erfahrung aus. Dicht vor Zeitspielgefahr besorgte Kreisläufer Veit Schmidt das 30:25. Zudem nutzten Steffen Röttger und die Mähl-Zwillinge Phillipp und der nach dem Seitenwechsel für Schulte gekommene Yannick fortan jede Torgelegenheit, während die jetzt hektisch abschließenden Warsteiner ein ums andere Mal am unter anderem auch einen zweiten Goldbach-Siebenmeter entschärfenden Basler scheiterten. So baute die SGR ihren Vorsprung bis zum Abpfiff auf acht Tore aus, geht mit 4:2-Punkte in die kurze Pause, während der Aufsteiger sich mit einer 0:6-Punkte-Hypothek auf das nächste schwere Auswärtsspiel am 2. Oktober in Altenbögge vorbereiten muss.
Trainerstimmen
SGR-Trainer Henning Becker:
"Es war ein umkämpftes Derby , Warstein hat uns alles abverlangt , wir konnten uns erst in der letzten Viertelstunde entscheidend absetzen, weil unser Torhüter Henrik Basler vorzüglich gehalten hat und im Angriff unsere Flügelzange mit Steffen Röttger und Yannick Mähl hochprozentig getroffen hat. Wir waren gut auf die offensive Deckung des VfS vorbereitet, allerdings war das Spiel ohne Ball nicht optimal . 28 Gegentore sind mir eigentlich zu viel, aber wenn man selbst 36 wirft, lässt sich das verschmerzen. Die Pause bis zum 3. Oktober, wenn wir mit Selbecke einen weiteren Aufsteiger empfangen, wird meinen angeschlagenen Spielern hoffentlich guttun.“
VfS-Trainer Zoran Kaseric:
"Wir haben einen schwachen Start erwischt und zu viele Zweikämpfe verloren, sodass die offensive Deckung ihre Wirkung verfehlt hat. Vom Engagement her kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat den Kampf angenommen und war nach der Pause mehrmals dicht davor, den Ausgleich zu schaffen. Leider fehlte in der entscheidenden Phase die Kaltschnäuzigkeit, in puncto Routine war uns Ruhrtal ein Stück voraus. Uns fehlten im Rückraum die Alternativen , die Unterstützung für unsere drei Hauptschützen war nicht ausreichend. Natürlich ist es für meine Mannschaft völlig ungewohnt, dreimal in Folge deutlich zu verlieren. Damit mussten wir aber aufgrund unserer personellen Ausfälle und des schweren Startprogramms rechnen. In Altenbögge sind wir auch klarer Außenseiter. Für uns geht die Saison erst am 9. Oktober daheim gegen Selbecke so richtig los.“
Statistik
Spielfilm: 7:3 (6.), 10:5 (9.), 12:7 (16.), 14:10 (28.), 15:12 (HZ), 15:14 (32.), 20:17 (40.), 22:21 (45.), 29:23 (51.), 34:56 (58.).
Zeitstrafen: SGR 1, VfS 3.
Rote Karten: Rosenberger (SGR, 35.).
Siebenmeter: SGR 5/4, VfS 7/5.
Zuschauer: 250.
Schiedsrichter: Frank Garus/Peter Elias (Bergkamen/Oberaden).
SGR: Basler; P. Mähl (7/4), Röttger (6), Y. Mähl (4), Humpert (3), Weber (3), Schulte (3), Storm (3), Schmidt (2), Pavic (2), Rosenberger (2), Pilz (1), Klute, Schwefer.
VfS: Göke; Schröder (8), Goldbach (8/4), Mir (6/1), Bornemann (2), Hoeck (2), Clewing (1), Schmidt (1), Luca, Enste.
JSG RuWa: B-Jugend verliert in der Regionalliga gegen TV Emsdetten

Warstein – Erste Heimniederlage nach über zwei Spielzeiten. Der Ausfall von drei Stammkräften war für die B-Jugendhandballer der JSG Ruhrtal/Warstein gegen den TV Emsdetten, der nur hauchdünn die Bundesliga-Qualifikation verpasst hatte, nicht zu kompensieren.
B-Jugend, Regionalliga: JSG Ruhrtal/Warstein – TV Emsdetten 26:31 (10:14).
Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, wie schwer es der ersatzgeschwächten JSG fallen würde, die starke Heimserie fortzusetzen. Nach drei Minuten lagen die heimischen Talente mit 0:3 hinten. Das erste Feldtor zum 2:5 durch Tom Goldbach ließ fast sechs Minuten auf sich warten. Während die Gäste durchwechselten und ihren Stammkräften Erholungspausen gönnten, mussten die Leistungsträger aus Ruhrtal und Warstein durchspielen, musste deshalb das Tempo gedrosselt werden. Dass der nach dem Vorbereitungsspiel in Münster mit einer muskulären Blessur angeschlagene Kreisläufer Lenni Weller umknickte und geschont werden musste, schränkte die Möglichkeiten noch weiter ein. Für ihn rückte Spielmacher Tom Goldbach an den Kreis, Matti Bathe übernahm den Spielaufbau.
Trotzdem blitzten Spielwitz und Durchsetzungsfähigkeit der JSG immer wieder auf, kam sie trotz vergebenem Strafwurf auf 5:6 heran und agierte bis zum 8:10 fast auf Augenhöhe. Unverkennbar aber war, dass dem Innenblock ohne die groß gewachsenen Florian Reddig und Mats Deventer die nötige Stabilität fehlte. Emsdetten kam viel leichter frei zum Abschluss als die Hausherren.
„Leider hat es an der Unterstützung aus dem Publikum und speziell den anwesenden Vereinsmitgliedern gefehlt. Dabei hätten die auf dem Zahnfleisch gehenden Jungs jede Unterstützung von außen benötigt“, haderte das Trainerteam Benny Furmaniak und Kai Trompetter etwas mit dem fehlenden Support. Vom 10:14-Pausenrückstand ließen sich der überragende Linksaußen Felix Trompetter und seine Nebenleute nämlich keineswegs schocken, steigerten sich wie schon beim Auftaktmatch in Hagen in Halbzeit zwei.
Neuzugang Simon Rath verkürzte auf 18:20 und 20:22 (36.), bei Trompetters Gegenstoßtor zum 21:23 waren immer noch neun Minuten zu spielen. In der Schlussphase fehlte allerdings die Kraft. Mit dem 21:25 war der Heimnimbus gebrochen. Das Fazit von Benny Furmaniak: „Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die ich unter die Top vier der Liga einstufe. Von daher war unsere Leistung in Anbetracht des dünnen Kaders in Ordnung.“
JSG: Clemens Narten; Mats Kollbach; Felix Trompetter (10/3), Simon Rath (6), Joshua Furmaniak (4/1), Tom Goldbach (3), Matti Bathe (2), Lenni Weller (1), Jonas Brüggemann, Ben Bienstein.
Soester Anzeiger, 21.09.2026, Text: Bernd Grossmann, Fotos: Thorsten Heinke






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