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Bis zum bitteren Ende


Warstein Von wegen Spitzenspiel: Das Gipfeltreffen der Handball-Landesliga 4 zwischen Bösperde und Warstein war eine Mogelpackung, denn die Gäste traten nicht auf wie eine Mannschaft, die noch Meister werden kann, sondern wirkten so, als wäre für sie die Saison schon gelaufen. Trotzdem war die Stimmung nicht nur beim neuen Titelträger bestens. Die VfS-Edelfans, die eine der abgezählten Karten ergattert hatten, nahmen die offensive Minusausbeute relativ gelassen hin und unterstützten ihre zumindest kämpferisch überzeugenden Lieblinge bis zum bitteren Ende.


Landesliga: DJK SG Bösperde – VfS 59 Warstein 26:14 (13:6). Was für ein Kontrast nach 60 einseitigen Spielminuten: Während die Warsteiner Akteure wie begossene Pudel vom Feld schlichen, nahmen die Bösperder Handballer eine Champagnerdusche, verwüsteten freudestrahlend und unter lang anhaltendem Applaus ihrer begeisterten Fans das Parkett.

Die Frage, ob der Spitzenreiter dem Erfolgsdruck gewachsen sein würde, hatte sich schon nach wenigen Minuten erledigt. Zwar kam der VfS nach dem Bösperder Blitzstart zum 3:0 durch Lars Schmidt (tatsächlich blieb es der einzige Treffer des erfolgreichsten Landesliga-Schützen) und Linksaußen Florian Hoeck auf 3:2 heran, doch das war nur ein kurzes Aufflackern. Joel Krischer biss sich an der robusten, aber nicht überharten Bösperder Deckung die Zähne aus. Und Philip Schröder, hinter Lars immerhin Zweiter der Landesliga-Torjägerliste, ging sogar gänzlich leer aus. Schröder verbrachte viel Zeit auf der Auswechselbank.

Vom viel gerühmten Warsteiner Rückraum blieb somit nur Jannik Becher übrig. Dem Linkshänder reichten drei Tore, um erfolgreichster Schütze des aus Warsteiner Sicht ziemlich verkorksten Samstagabends zu werden.


Die Mendener Vorstädter brannten zwar offensiv auch nicht gerade ein Feuerwerk ab, aber ihre Aktionen waren doch deutlich dynamischer, die Abschlüsse wuchtiger und präziser. Die Halbschützen Johannes Dame und Antonio Cabaca wurden vom neuen Mittelmann Justin Westermann oder Tim Küppers bestens in Szene gesetzt, zudem die wenigen Gelegenheiten zu Steilangriffen über Linksaußen René Tillmann genutzt. Der holte beim Konter zum 6:2 eine Zeitstrafe gegen Schröder heraus. Und während Florian Hoeck einen Kurzpass durch die Hände ins Aus gleiten ließ, zog Bösperde nach einem Unterzahltreffer des Portugiesen Cabaca auf 8:2 (12.) davon.

Ein weiterer Doppelpack der Gäste durch Simon Kraus (in Überzahl) und Krischer zum 8:4 hatte keine aufbauende Wirkung auf das Warsteiner Angriffsspiel.

Auch der Torwartwechsel (Niklas Schmidt kam für den glücklosen Hendrik Hilwerling) zahlte sich nicht entscheidend aus, denn dessen Paraden deckten sich mit den vom Gegenüber Sievert gehaltenen Bällen. Als Schröder freistehend neben den Kasten warf, im Gegenzug Reinicke auf 11:4 erhöhte, war spätestens zu diesem Zeitpunkt klar, dass sich der mutmaßliche Handball-Krimi zu einem spannungsarmen Langweiler entwickeln würde.

Die Minihoffung der Gäste, Bösperde würde sein hohes Niveau an Konzentration und Kampfkraft in Durchgang zwei nicht durchhalten können, blieb trügerisch. Nils Schmidt verkürzte zwar vom Siebenmeterpunkt, Bruder Lars fing zudem einen DJK-Steilpass ab. Damit waren die positiven Aspekte bis zur 47. Minute aber schon aufgezählt.


Der Ex-Arnsberger Dame leitete per Doppelschlag die beste Phase des neuen Meisters ein, der trotz zwischenzeitlich doppelter Unterzahl auf 18:7 davoneilte und das Bösperder Publikum zum hämischen Gesang („Schickt doch mal die Erste“) animierte, was Hallensprecher Joshua Schefers aber energisch unterband.

Die Schlussphase wurde zum Schaulaufen für die DJK, die über 23:9 auf 26:11 davonzog und erst dann die Zügel schleifen ließ, was der mutige Joker Maxi Rüther sowie Jonas und Nils Schmidt zur Ergebniskosmetik nutzten.


Trainerstimmen

Hendrik Ernst, Trainer DJK SG Bösperde: „Ich bin überglücklich, dass sich unsere akribische Vorbereitung mit Video-Studium des VfS so positiv ausgewirkt hat. Wir haben alle Warsteiner Hauptschützen früh attackiert, die Abwehrleistung war überragend und der Schlüssel dafür, dass wir uns so früh absetzen konnten. Man hat meiner Mannschaft angemerkt, dass sie unbedingt möglichst deutlich gewinnen wollte, um auch Richtung Relegation ein Zeichen zu setzen. Mit unserer Galligkeit haben wir Warstein komplett den Zahn gezogen.“



Zoran Kaseric, Trainer VfS 59 Warstein: „Glückwunsch an die Bösperder, sie haben den Titel nach dieser Leistung absolut verdient. Wir haben zurecht auch in dieser Höhe verloren, weil wir offensiv überhaupt nicht ins Rollen gekommen sind, zudem auch viel Pech mit Pfostenwürfen hatten. Man muss dem Gegner ein Kompliment machen, er hat sich perfekt auf uns eingestellt. Es lag weniger am Harzball als an der gegnerischen Deckung, dass wir im Angriff so wirkungslos waren. Nach dem guten Freitag-Training war ich zuversichtlich, dass wir den Bösperdern einen harten Fight liefern würden, aber das hat leider nur für die Abwehrarbeit gestimmt. Die Enttäuschung sitzt allerdings nicht tief, denn wir sind ja immerhin noch Zweiter, was uns vor der Saison niemand zugetraut und wir selbst auch nie erwartet hätten.“


weitere Stimmen zum Spiel


Ulrich Becker, 1. Vorsitzender VfS Warstein: „Der zweite Platz – alles gut. Bösperde ist in unserer Gruppe die stärkste Mannschaft gewesen. Wir sind heute nicht ins Spiel gekommen. Die Halle hier ist nicht so breit wie unsere. Dementsprechend sind unsere Außen nicht so zur Geltung gekommen. Wir haben nur Warsteiner Jungs in der Truppe, bezahlen unsere Spieler nicht. Wir sind stolz, Zweiter zu sein. Es geht keiner frustriert nach Hause, denke ich.“

Joel Krischer, Spieler VfS: „Klar tut das heute weh, weil wir alle uns ein kleines Wunder hier erhofft hatten. Ein souveräner, verdienter Bösperder Sieg. Die Halle ist super klein, dazu kamen der geharzte Ball und viele technische Fehler unsererseits. Heute kam vieles zusammen. Im Laufe der Rückrunde hatten wir auch Pech mit Verletzungen. Nächste Woche wollen wir die Vizemeisterschaft klar machen.“

Jonas Schmidt, Spieler VfS: „Wir hatten uns hier natürlich etwas anderes ausgemalt. Platz zwei gilt es jetzt zu verteidigen.“

Hendrik Hilwerling, Kapitän und Torwart VfS: „Klar, muss in so einem Spiel mehr von uns kommen. Beim Training am Freitag sah es bedeutend besser aus. Hier und da fallen mal die Sätze: Die und die Punkte waren überflüssig, die wir verloren haben. Die Vizemeisterschaft ist jetzt das absolute Ziel. Dann ist das auch ein gutes Ergebnis für uns.“

Florian Hoeck, Spieler VfS: „Bösperde war einfach heute die bessere Mannschaft. Vorne haben wir teilweise viel Pech gehabt. Was die an den Pfosten geschmissen haben, ist reingeflogen – und bei uns wieder raus. Weh tut das heute nicht. Als Aufsteiger können wir mehr als zufrieden sein mit dem Erreichten.“

Nils Schmidt, Spieler VfS: „Wir hatten alles in der eigenen Hand, trotz der relativ schlechten Rückrunde. In solchen Spielen kann alles passieren. Dann lief es nicht wie gewünscht. Jetzt gilt es, die Saison ordentlich zu beenden, auch wenn man heute eine Träne im Auge hat.“

Lars Schmidt, Spieler VfS: „Gefühlt haben wir heute unser schlechtestes Auswärtsspiel der gesamten Saison gezeigt. So eine Leistung zieht sich dann durch die gesamte Mannschaft. Eigentlich hatten wir keinen Druck im Vorfeld. Nächste Saison gilt es in erster Linie wieder, die Liga zu halten. Heute sind wir alle gefrustet, weil wir das Spiel gerne enger gestaltet hätten.“

Philip Schröder, Spieler VfS: „Wer am Ende oben steht, hat es auch verdient. Wenn wir ein Spiel mit normaler Wurfquote abliefern, können wir immer noch als Verlierer von der Platte gehen, aber dann ist das Ergebnis wahrscheinlich wesentlich knapper. Ich würde die Niederlage nicht auf den Harzball schieben. Bei mir persönlich hält sich die Traurigkeit in Grenzen. Wir haben eine super Runde gespielt. Wir hätten genauso gut vor diesem Spiel schon durch sein können. Deswegen müssen wir uns da an die eigene Nase fassen.“


Joshua Schefers, Männerwart DJK SG Bösperde: "Was für ein perfekter Abschluss eines tollen Tages mit Titelfeiern der Reserve und Derbysieg der Damen. Die Defensivarbeit unserer Mannschaft war hervorragend, wobei ich besonders Reinickes Leistung gegen Lars Schmidt hervorheben möchte. Auch das Umschalten nach Ballverlust war perfekt, so dass wir keinen einzigen Kontertreffer kassiert haben. Loben möchte ich aber auch das tadellose Verhalten der Warsteiner Fans, die die heftige Niederlage äußerst fair hingenommen haben und ihr Team bis zuletzt angefeuert haben.

Soester Anzeiger, Text: Bernd Grossmann, Fotos: Thorsten Reinke

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